Stoneman Road 2020 – TEAM ASPHALTFIEBER

Wenn man im Corona-Jahr 2020 auf dem Rennrad etwas erleben will geht kein Weg am Stoneman Road vorbei. Zwar empfiehlt sich die Tour auch generell, aber mit der C-Edition verläuft die Strecke zum einen nur auf der deutschen Seite und zum anderen weiß man nicht ob sie in dieser Konfiguration nach Corona noch angeboten wird.

Der Anspruch an die Leistungsfähigkeit auf dem Rad bleibt natürlich auch in der C-Edition ordentlich hoch. Erst recht wenn man wie wir auf die Idee kommt, das ganze an einem Tag zu fahren. Dazu sind wir, Sebastian, André, Sebastian, Pierre und ich, dann am 05.09.2020 auch angetreten und standen hoch motiviert um 6.30 Uhr für das Vorher-Bild parat.

Den Nachweis, dass man auch die gesamte Strecke gefahren ist erbringt man beim Stoneman immer über eine Lochkarte. Für die einzelnen Streckenabschnitte gibt es meistens an markanten Wegmarken oder Hochpunkten einen speziellen Locher.

Die Vorfreude auf diese Geräte steigt sprunghaft an, wenn die ersten Streckenabschnitte absolviert sind und man ein Gefühl dafür bekommen hat welchen Charakter diese Tour besitzt.

Zu Beginn waren wir ja sehr flott unterwegs und die Wetterbedingungen konnten nicht besser sein. Dementsprechend hielt sich die Motivation in unserer Fünfergruppe auf dem höchsten Niveau. Im laufenden Wechsel flogen die ersten Kilometer nur so vorbei. Der Blick auf das Garmin verriet mir aber, dass auf der gesamten Distanz 30 Anstiege vor uns lagen. Das warf die ersten Fragen zur Tempogestaltung bei mir auf.

Auf Antworten brauchte ich nicht lange warten. Unser Tempo wurde schnell durch die ersten Anstiege heruntergeregelt. Die Strecke ist gespickt mit vielen kürzeren, aber dafür umso schärferen Anstiegen bei denen man manchmal Mühe hat das Vorderrad auf dem Boden zu halten. Das Synonym “Stich” für kurze knackige Anstiege bringt es beim Stoneman auf den Punkt. Im Wortsinn kann es schnell passieren das es mal spürbar sticht in den Beinen. Dabei reden wir bis hierher gerade mal über die ersten 100 km.

Allerdings hatten wir für die volle Härte der 300 km ein echtes Ass im Trikot. Wir wurden nämlich durch das Support-Team von Pure Power Cycling begleitet. Die Verpflegung war also im Premiumsegment angesiedelt und die fotografische Begleitung dokumentiert rückblickend sehr gut, wie sich mit jedem Höhenmeter die Motivation für den nächsten Anstieg verändert. Vor allem als ca. ab der Hälfte der Strecke der Regen einsetzte gab es nur noch eine Devise. Einfach durch!

Erfreulicherweise blieben wir alle trotzdem bester Laune. Es stellte sich eine Art Routine ein in der man sich auf bestimmte Dinge verlassen konnte. Neben den allgegenwärtigen Hügeln war da zum Beispiel die leichte seitliche Druckwelle, die einen erfasste wenn Pierre bei der Abfahrt an einem vorbeifuhr. Die Frage nach der nächsten Stanze hörte man nun auch regelmäßig im 10 km Rhythmus. Unerfreulicherweise blieb der Regen auch eine ganze Weile bei uns bis er sich dann bei Kilometer 200 langsam verzog.

Irgendwann mit mehr als der Hälfte aller groben Rampen auf dem Konto fuhren wir zum nächsten Checkpoint in Niederlauterstein. Sehr idyllisch gelegen mit Burg, Wald und Fluss. Das Lochen der Karten hätte in Verbindung mit der kurzen Verpflegungspause also pure Entspannung sein können, wenn wir bei der Anfahrt nicht schon gesehen hätten wie es danach weitergeht. Nach exakt 229 km und über zehn Stunden auf dem Rad fanden die Streckenplaner es offenbar eine tolle Idee direkt nach der Locherpause eine 18 % Rampe reinzubasteln. Mit leichten Anflügen von Wahnsinn haben wir aber auch darüber gut gelacht.

Auf weniger als 100 Kilometern konnte uns ohnehin kaum noch etwas erschrecken. Dachten wir zumindest bis wir in Rittersgrün das vorletzte mal unsere Karten lochen mussten. Es gab ja schon bei der ein oder anderen Gelegenheit unterschiedliche Meinungen was auf den Infotafeln zum Stoneman mit den Angaben zu Höhenmetern gemeint war. An der Tafel in Rittersgrün gab es jedoch schnell keinen Zweifel mehr das uns zum Abschluss noch eine Prüfung bevorstand. Bei nunmehr 10°C, Nebel und Dunkelheit den Fichtelberg hoch.

In wechselnden Steigungsverhältnissen wurde nochmal alles mobilisiert. Das sich ohne Tageslicht alles irgendwie schneller anfühlt hat sicher auch ein bisschen dabei geholfen es bis ganz nach oben zu schaffen, aber der Hauptgrund war einfach die gute Form die alle voll ausschöpfen konnten. In meinem Fall war das erst durch die Trainingsplanung von Sebastian möglich. André schien hingegen sein normales Training nur kurz für eine lockere Ausfahrt unterbrochen zu haben.

Auf der Abfahrt vom Fichtelberg zurück zum Startpunkt in Oberwiesenthal haben wir uns auf jeden Fall schon mal gefeiert. Es passte sehr zu unserer Stimmung, dass kurz vor dem Ortsschild auch noch eine großes Feuerwerk einsetzte. So nahmen wir mit einem permanenten Grinsen unsere Trophäen in Empfang und freuten uns auf ein reichhaltiges Abendessen. Es ist immer wieder erstaunlich wie zufrieden und genügsam man nach so einer Ausfahrt ist. Es muss also unbedingt wiederholt werden.

Die Sonderwertung für den Support geht übrigens klar an Familie Lang für die Organisation, das Essen und die Geduld. Für über 12 Stunden im Begleitfahrzeug braucht es auch Durchhaltevermögen. Nochmal vielen, vielen Dank für das Gesamtpaket!

Ein Dank geht natürlich auch an André, der uns mit seiner Führungsarbeit den 25´er Schnitt auf 300 km und knapp 6000 hm ermöglicht hat. Es war ein Fest!

Text: Fabian Kilian

Bilder: Emilio Lang